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Die Fahrzeugverglasung

Das Glas leicht zerbricht, sagt schon das Sprichwort. Doch das ist nicht bei jedem Glas so. Der schon seit weit mehr als  3000 Jahren bekannte Werkstoff eignet sich nämlich für sehr viele Aufgaben. Vom hauchdünnen empfindlichen Objektträger in der Mikroskopie bis zur massiven Sicherheitsglasplatte an Fassaden oder Schusssicheren Panzerglaseinlagen an Fahrzeugen. Während das Gläschen am Feuermelder leicht zerbrechen muss dürfen Scheiben an Flugzeugen, Raumfähren oder U-Booten unter keinen Umständen nachgeben. Glas einfach als zerbrechlich zu beschreiben wäre also falsch.

Unter der Norm ECE R 43 muss Glas im Automobilbau ganz bestimmte Sicherheitsanforderungen erfüllen. Normales Fensterglas zersplittert bei Bruch in scharfkantige Einzelteile die ein extrem hohes Verletzungsrisiko bergen. Deshalb wird im Fahrzeugbau vorwiegend Sicherheitsglas verbaut das in zwei Ausführungen erhältlich ist. Wir unterscheiden zwischen Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) und Verbund-Sicherheitsglas (VSG). Beides wird aus dem richtigen Mischverhältniss von SODA, KALK und QUARZSAND bei einer Temperatur von 1600 Grad Celsius zu Flachglas verschmolzen dass dann weiter veredelt werden kann. Wie unterschiedlich Glas zu Bruch gehen kann, zeigt sich am Auto.


VSG Verbund- Sicherheitsglas


  VSG-Schadenbild

Die Frontscheibe eines Autos besteht aus Verbund-Sicherheitsglas (VSG). Es handelt sich dabei im Prinzip um zwei einfache Fensterglasscheiben. Zwischen diesen Scheiben befindet sich eine hochelastische Folie aus Polyvinylbutyral (PVB), die bei der Herstellung als Schmelzkleber fungiert und die beiden Scheiben miteinander verbindet. Die Verbindung ist so perfekt das ein ungeschultes Auge nicht erkennen kann dass es sich in Wahrheit um zwei Gläser und eine Kunststoffschicht handelt. Fällt nun ein Stein auf die Windschutzscheibe oder geschieht ein Unfall, breiten sich Risse im VSG nur auf kleinem Raum aus. Die Folie hält die Scherben so zusammen, dass sie nicht absplittern können und die Insassen des Fahrzeugs verletzen. Gleichzeitig verhindert sie, dass der Stein durch die Scheibe tritt. Dass sich Risse im VSG nur sehr langsam ausbreiten, erreichen die Hersteller, indem sie die Scheiben in der Fertigung extrem langsam abkühlen. So entstehen kaum Spannungen im Glas.

ESG Einscheiben- Sicherheitsglas


  ESG-Schadenbild

ESG ist ein thermisch vorgespanntes Glas. Die Vorspannung wird durch eine Wärmebehandlung des Glases erreicht. Der Herstellungsprozess von ESG besteht im raschen und gleichmässigem Erhitzen einer Glasscheibe auf über 600 Grad Celsius und dem anschliessenden zügigen Abkühlen ( Abschrecken ) durch Anblasen mit kalter Luft. Die Charakteristische Spannungsverteilung im ESG Sicherheitsglas bewirkt, dass die äusseren Flächen zum Kern hin unter Druckspannung, der eigentliche Kern des Glases jedoch unter Zugspannung steht.Beide Spannungen müssen zueinander im Gleichgewicht stehen, denn nur so ist der stabile Spannungszustand zu erreichen, der die Sicherheitseigenschaften von ESG Glas gewährleistet. ESG verfügt über einen erhöhten Verletzungsschutz, denn Im Falle der Zerstörung entsteht ein engmaschiges Netz von kleinen, meist stumpfkantigen Glaskrümeln und keine scharfkantigen Glassplitter.